Vom 14. bis 20. Juni 2025 wurde mehr als ein Jahr des Nachdenkens, Entwerfens und Antragstellens endlich greifbar: an 19 Standorten in der Siedlung am Fuchsberg fanden sorgfältig ausgewählte Skulpturen und Objekte Dresdner und Berliner Künstlerinnen und Künstler ihre Plätze. Die meisten Kunstschaffenden waren zum Aufbau und zur Eröffnung hier und genau wie die zahlreichen Besucher:innen begeistert von der Stimmung, den Gesprächen auf der Straße und dem schönen Gefühl durch die Kunst einen Beitrag zu Offenheit für neue Begegnungen und Gemeinschaft zu schaffen.
Glück und Schwierigkeit freier künstlerischer Projekte sind die Einwerbung von Geldern zu einem komplett selbst erdachten und erstmaligem Vorhaben, die Kommunikation und Verantwortung auf vielen verschiedenen Ebenen, das Finden verlässlicher Partner und die selbstbestimmte Umsetzung in einem neu zu erobernden Gefüge außerhalb von Galerien oder Museen - und bei einem Open Air spricht auch das Universum noch eine Runde mit!
Das Festival lief wirklich rundum so, wie ich es erhofft hatte und noch immer liegt ein leiser Zauber der Verwandlung über den Grundstücken ... Die wunderbaren Eiszapfenreihen, die melancholische Schnapsorgel, der nimmermüde Töpfebrunnen und sein Pendant, der auf der Schubkarre balancierende Wasserkreislauf – der leuchtende Zweisterne-Abu-Weix-Tower, der hinter der Tujenhecke zu erspähende Waldkauzschlafsack und gegenüber dem zu vielen Deutungen einladende Garagentorwächter – das zerfressene graffitibunte Kartenhaus, der erinnerungsvolle Wagen der alten Frau, die tanzenden Fahrradfelgen, metallische Steppenroller oder außerirdischer Besuch bei den Maulwürfen – die von Rohrleitungen umschlungenen Riesenchampignons oder der zart himmelwärts winkende Antennenstab … sie alle fanden ihren Rahmen, der in Größe, Untergrund bzw. Bepflanzung und Blickwinkel ihre Materialität und „Geschichte“ zur Geltung brachte.
Im Programm waren außerdem die bunte Mehrgenerationen-Fahrradrevue an den Kiefern und mehrere weitere Auftritte an der Hufe: die drei Stimmen von Treta Mominka entlockten einigen Zuhörenden eine heimliche Träne, bevor sich das riesige schwarze Wesen aus dem Kinderzelt heraus vorsichtig tastend auf 5 Meter aufplusterte,um bald darauf erschöpft auf dem Asphalt Siesta zu halten. Auch die Dichtkunst mit Gitarre war im eins zu eins unterm Carportdach ganz nah und konkret... Eine besondere Gelegenheit war es außerdem, die Bildhauerin Thea Richter aus Ottendorf-Okrilla zum Künstlergespräch im Atelier zu empfangen.
Die Einwohner:innen vor Ort, vor allem auch im direkten Umfeld, äußerten sich sehr wertschätzend über die Aktion. Tischlermeister und Künstler Gerd Wachs ergänzte spontan einige Holzobjekte und erläuterte diese auch selbst zu den gut besuchten Rundgängen. Es gab auch viele Flaneure, die für sich und auf Empfehlungen anderer durch die Straßen gingen, Beschilderungen und Faltplan funktionierten als Stichwortgeber: die HfBK Dresden und ein Hinweis in den DNN waren zusätzliche Verteiler. Auch in der Kunstwelt sind einige Akteure aufmerksam auf den Fuchsberg geworden, Vertreter des Landesamtes für Kultur, der Städtischen Galerie, einige andere kleine Festivalveranstalter der Region gaben ihr Feedback ...
Danke zuallererst dem Netzwerk Weixdorf e.V. und dessen Akteuren für ihre Unterstützung auf vielen Ebenen, Peter Müller von der Initiative temporäre Kunsträume e.V. für das Andocken an notwendige Vereinsstrukturen, Juliane Schmidt für die wunderbare grafische Gestaltung und natürlich die fortlaufende Rückendeckung und Zuarbeit meiner Familie vor Ort. Ich danke den Künstler:innen für ihre Arbeiten, Fantasie und Energie und allen privaten Gastgeber:innen für ihr Vertrauen. Mit der ersten Runde des Festivals konnte hoffentlich ein tragfähiger Sockel für kommende Ausgaben auf die Beine gestellt werden – die Utopie beginnt im Kleinen, oder wie das Künstlerduo WerDa sagt: sie ist unvermeidbar.
Silvia Lorenz
17.04.2025
Wir freuen uns, Silvia Lorenz und ihr Projekt „Antenne & Erdung“, einem Skulpturenfestival in Weixdorf, zu unterstützen. Vom 14. bis 20. Juni 2025 verwandelt sich das Wohngebiet auf dem Fuchsberg (Nixenweg, An der Hufe, Felsenweg, An den Kiefern) in eine lebendige Ausstellungsfläche für zeitgenössische Skulptur.
Mit dabei sind:
Renate Hampke, Thea Richter, Wolfgang Krause, WerDa (Werner Kernebeck & David Braithwaite), Peter Müller, Yasmin Alt, Silvia Lorenz, Thomas Judisch, Juliane Schmidt, Nadja Schütt, Christin Kaiser, Jan Herdlicka, Sophie Altmann – und special guests.
Skulpturen zu Gast in Vorgärten
Standorte: Nixenweg – An der Hufe – Felsenweg – An den Kiefern
Ort: 01108 Dresden-Weixdorf
Samstag, 14. Juni 2025
14:00 Uhr – Eröffnung und Rundgang mit den Künstlerinnen und Künstlern
16:00 Uhr – Workshop: Webrahmen-Naturfasern-Relief mit Sophie Altmann
18:00 Uhr – Konzert: Treta Mominka
20:00 Uhr – Poesie: Anne Wundrak
Sonntag, 15. Juni 2025
15:00 Uhr – Künstlergespräch mit Thea Richter
18:00 Uhr – Jahreszeitkreis mit Franziska Wicke
Gemütlicher Ausklang im Viertel
Mehr über die künstlerische Arbeit von Silvia Lorenz findet Ihr unter: www.silvialorenz.com
Wir laden herzlich dazu ein, durch Weixdorf zu flanieren, Skulpturen zu entdecken, Gespräche zu führen und kreative Impulse zu erleben. Kunst im Alltag – direkt vor der Haustür!